Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt. 18, 20)

Liebe Gemeinde,

im letzten Jahr haben wir gefeiert, dass unsere Kirche vor dreihundert Jahren erbaut wurde. Wir können mit Recht ein bisschen stolz auf unsere schöne Kirche und deren langer Tradition sein. Die Gemeinde selber ist aber viel älter als die Kirche. Nach zaghaften Anfängen, die teils wieder eingegangen sind – manches lässt sich nicht mehr genau klären -, wurde vor 450 Jahren der erste Prediger der Reformierten Gemeinde in Frechen bestellt. Das ist ein klar erkennbarer und dokumentierter Beginn einer Evangelischen Kirchengemeinde in Frechen.

Es ist wichtig, dass sich die Gemeinde gebildet hat, denn Glauben braucht immer auch den anderen, die Gemeinschaft. Sie muss nicht immer groß sein, es muss auch nicht immer eine verfasste Kirchengemeinde sein. Doch so sehr der Glaube eine persönliche Gottesbeziehung ist, ist er auch auf die Gemeinde ausgelegt, auf gemeinschaftliches Loben und Beten, Handeln und Helfen, Verkündigen und Bezeugen. Mitten in dieser Gemeinde will Jesus selbst Wirklichkeit werden.

Manchmal hört man heutzutage: „Glauben kann ich auch alleine, Beten kann ich in der Natur, dazu brauche ich keine Kirche.“ Richtig ist, dass keiner unbedingt die verfasste Evangelische Kirche braucht, wie sie heute ist. Richtig ist aber auch, dass jeder andere im Glauben braucht. Für einen alleine ist ein Leben im Glauben, wie Jesus es vorsieht, nicht möglich.

Es geht ja um mehr, als nur ums Beten. Es geht darum, Jesus Christus in dieser Welt gegenwärtig werden zu lassen. Das geht nur in der Gemeinde, wo viele unterschiedliche Menschen mit ihren verschiedenen Gaben zusammenkommen und gemeinsam den Leib Christi bilden. In einer solchen Gemeinde bekommt der Glauben eine Kraft, welche die persönliche Gottesbeziehung mit Leben erfüllt und vorantreibt. Auch wird der eigene Glauben durch den Glauben der anderen bereichert.

Die christliche Kirche gibt es seit 2000 Jahren, unsere Gemeinde erst seit 450 Jahren. Damals hatten sich Gläubige von ihrer Kirche getrennt, weil sie nicht mehr erkennen konnten, wie sich die Gegenwart Christis in dieser Kirche abbildet. Sie schlossen sich der neuen Richtung der Reformation an. Sie bildeten in Frechen eine neue Kirchengemeinde. Seitdem hat sich viel verändert und es haben sich viele Gemeinsamkeiten gebildet. In erster Linie sehen wir uns als Evangelische Kirche nicht mehr im Gegensatz zur Katholischen Kirche, sondern sie ist für uns eher so etwas wie eine ältere Schwester. Wir sind uns nicht immer einig, manchmal gibt es auch Streit in der Familie. Aber gemeinsam mit ihr und anderen Kirchen und Gemeinden bilden wir die eine Kirche, die Jesus Christus in der Welt gegenwärtig und lebendig macht, das Evangelium allen verkündet und die Menschen im Glauben stärkt.

Wo Jesus Christus unter den Menschen lebendig ist, da lebt die Gemeinde. Darum freuen wir uns, mit allen Geschwistern im Glauben, in diesem Jahr  unseren „Geburtstag“ zu bedenken.

Herzliche Grüße,

Bernd Stollewerk