Andacht 17.05.2020

Biblische Besinnung zum Sonntag Rogate

Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 6:
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel!
….

Liebe Leserin, lieber Leser,
Das Gebet Jesu führt uns in die Freiheit. Auf ein kleines Wörtchen lassen Sie uns zunächst hören: So – sollt ihr beten. Nicht: Das – sollt ihr beten. Schon die Überlieferung der Worte dieses Gebetes zeigt uns: das, was wir heute „Vaterunser“ nennen, was in jedem christlichen Gottesdienst gebetet wird, ist keine Vorschrift, nach der wir verfahren sollen. Dieses Gebet ist kein Gesetzesparagraph für Glaubende. Dieses Gebet lädt uns ein zu beten. Mein ganz persönliches Gebet zu beten „im stillen Kämmerlein“. Mit anderen gemeinsam das vor Gott zu bringen, was uns bewegt. Wenn wir das Vaterunser an unsere Kinder, an Konfirmandinnen und Konfirmanden weiter geben in Familie und Gemeinde, sind diese Worte keine Befehle. Sie sind Anleitung, um auch eigene Worte zu finden, vielleicht auch wortlose Gebete, Seufzer, Gesten, die Kanäle zu eröffnen suchen, die uns Anteil geben an der Macht des Namens, um dessen Heiligkeit und Heiligung es hier geht. Das mit der Zeit so entstandene Gebet, dessen Anstoß von Jesus selbst kommt, lädt uns ein in den Innenraum der Gerechtigkeit, die Gott uns schenkt. Wenn wir diese Worte nachsprechen, geraten wir in den Resonanzraum des einen Gottes und der riesigen Gemeinschaft derer, die so zu ihm gebetet haben, jetzt beten und in Zukunft beten werden.

„Unser Vater im Himmel“ – Gott wohnt nicht da oben, weit weg, wie Menschen früher gedacht haben. Er thront nicht jenseits des Universums. Aber alles, diese Erde, die Sonnensysteme, entdeckte, uns bekannte und uns verborgene Lebensformen sind die unermesslichen Räume, in denen Gott als Vater wirkt. Als das Große, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Als die Macht, die allem, was ist, geheißen hat, dass es sei. Die die Welt, die wir bewohnen und das All, ins Leben gerufen und geheiligt hat. Und siehe, es war sehr gut. Unsere Welt, die sich entwickelt hat und weiter entwickeln wird, in der Naturgesetze in Geltung sind und in der es Phänomene gibt, die wir naturwissenschaftlich nicht erklären können. In der es Wirklichkeiten gibt, die wir nicht wahrnehmen können – oder nur ausnahmsweise. Durch Jesus bringt sich uns diese große und auch ferne Lebensmacht nahe. Im Glauben an Jesus reden wir Gott mit „Vater“ an. Und damit ihn niemand verwechselt mit dem eigenen Vater, ist sein Machtbereich unbegrenzt, ja, er begrenzt die Macht aller Väter und aller Mütter. Der Allmächtige und Unergründliche liebt uns wie ein Vater und eine Mutter ihre Kinder lieben.

Gott segne Sie!
Ihr Bernd Stollewerk

 

 

Gebet

Gott,
jetzt haben wir schon Mai
und immer noch ist Corona-Zeit.
Mir fehlen meine Freunde, mein Chor, der Sport in der Gruppe,
Mir fehlen Besuche und spontane Umarmungen;
das Zusammensein in der Gemeinde.
Immer Home Office, dabei das Familienleben, das ist ganz schön anstrengend.
Und unter der Maske kriegt man kaum Luft.

Bin ich egoistisch, wenn ich darüber klage?
Vielleicht schon, aber ich weiß, ich darf Dir sagen, wie es mir geht.
Du nimmst mich an, mit meiner Ungeduld, mit meinem genervt Sein!
Danke, dass ich mich bei Dir nicht zusammenreißen muss!
Gott, ich weiß ja, das ist jetzt eine Durststrecke.
Es ist nur manchmal schwierig, das Ganze im Blick zu behalten.
Hilf mir, das Gute nicht als selbstverständlich zu betrachten!
Denn eigentlich gibt es eine Menge, wofür ich danken kann:

Wie gut, dass es wieder regnet!
Ich freue mich, morgens früh vom Rauschen des Regens aufzuwachen!
Landwirtschaft, Wälder und Gärten haben es so sehr ersehnt.
Hoffentlich bekommt auch der Osten genug!

Wie gut, dass die Infektionswelle abklingt und wieder Operationen stattfinden.
Viele Kranke warten inständig darauf.
Gib, dass sie nun bald Abhilfe für Schmerzen und Beschwerden bekommen.

Wie gut, dass Menschen in vielen Bereichen der Gesellschaft an einer
vorsichtigen Öffnung arbeiten, auch wir in der Kirche!
Die Freude wird groß sein über jedes gelingende Zusammenkommen!
Gib uns Mut, auszuprobieren, was geht und Geduld, zu akzeptieren, dass es Zeit braucht.

In unserer Fürbitte denken wir
an die alten Menschen, die ihre Angehörigen nicht sehen können;
an die Infizierten und ihre Helfer in Ländern ohne funktionierendes Gesundheitswesen;
an diejenigen, die wegen der Pandemie ohne Einkommen dastehen.

Alles, was uns am Herzen liegt, sagen wir Dir mit dem Gebet Jesu:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.