Gebet um Frieden

Beten – das heißt, wir verstummen nicht!

Großer Gott, Du weißt wie klein unsere Kräfte sind, um der Gewalt standzuhalten. Sieh herab mit deinem barmherzigen Auge auf das Leid und die Klagen derer, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden – und auf alle die, die sich vor einem größeren Krieg fürchten.

Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens und deiner Gerechtigkeit und rüste uns mit allem Notwendigen für deinen Dienst an unseren Mitmenschen aus.

Wir haben Angst vor einem Krieg, der so viel Leid bringen wird – Menschen in der Ukraine, in Russland und in ganz Europa. Wir beten für all die Verantwortlichen in Russland, der Ukraine, Belarus, den USA und der EU, dass sie Wege heraus aus der Eskalation der Kriegsrhetorik finden. Lass uns alle abrüsten mit Worten und Taten. Erweiche die Herzen derer, die hart geworden sind und lass uns zurückkehren zur Erkenntnis deiner Weisheit.

Stärke vor allem unseren Glauben, belebe unsere Hoffnung und lehre uns zu lieben. Bewahre uns vor der Willkür der Mächtigen dieser Welt und bringe sie zur Erkenntnis ihrer Grenzen. Segne uns mit deinem Frieden, damit wir gemeinsam Hand in Hand für eine freiere und gerechtere Gesellschaft Dir zur Ehre arbeiten!

 

(zusammengestellt aus Gebeten der lutherischen Kirche in Russland und der orthodoxen Kirche in der Ukraine)

Glaube wie ein Senfkorn

Manche sagen: Früher hatte ich einen festen Glauben, aber heute nicht mehr. Sie haben eine schwere Krankheit durchgemacht. Nichts ist mehr wie vorher. Sie fragen sich: Habe ich meinen Glauben verloren?

Mancher blickt aufs Leben und es fällt schwer, bei all dem sinnlosen Leid an einen guten Gott zu glauben.

Andere fragen: Muss ich alles glauben, was in der Kirche gesagt wird? Das kann ich nicht.

Schließlich gibt es noch diejenigen, die denken: Mein Glaube ist nicht gut genug. Er ist zu klein, zu schwach, und deswegen ist es kein richtiger Glaube.

Im Lukasevangelium, Kapitel 17, lese ich: „Jesu Jünger kamen und baten ihn: Stärke uns den Glauben! Er aber sprach: Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn, dann könnt ihr zu diesem Baum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er wird euch gehorchen.“

Was meint Jesus damit? „Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn“ – da kann sich jeder selber fragen: Habe ich so einen Glauben? Groß wie ein Senfkorn? Oder vielmehr, so klein? Denn ein Senfkorn ist ja ein winzig kleines Samenkörnchen! Wie ein Stecknadelkopf auf dem Finger, einmal pusten, schon ist es weg. Habe ich so einen winzig kleinen Glauben?

Die Jünger baten: „Stärke uns den Glauben.“ Sie haben anscheinend ihren Glauben für zu schwach gehalten. Sie hatten dasselbe Problem wie Menschen heute auch. Jesus antwortet: „In euch drin steckt ganz viel. Was ihr seht, ist zwar klein. Aber es hat die Kraft eines Samenkorns. Es ist der Anfang von etwas viel Größerem: Das ist Gott in Euch.“

Jesus gibt seinen Jüngern keinen unerschütterlichen Glauben. Er nimmt die Ängste und die Zweifel nicht von ihnen. Und trotzdem hat er ihre Bitte ernst genommen und erfüllt, nur anders als die Jünger dachten.

„Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn.“ Ja tatsächlich, haben wir nicht einen Glauben wie ein Senfkorn? Doch, so einen kleinen Glauben haben wir bestimmt. Und auch in Zweifeln, sogar in Krankheit, Not und Tod, dieses Samenkörnchen Glauben haben wir.

Was Gott noch im kleinsten Senfkorn bewirken kann – um wie viel mehr in uns! Manchmal ist unser Glaube nur wie ein Seufzen. Doch dann wird er zum Samenkorn, aus dem etwas wachsen kann, wie eine schöne Pflanze.

Jesus versteht unter Glauben nicht das Fürwahrhalten aller möglichen Glaubenssätze. Der Glaube, den Jesus meint, ist eine Kraft, die etwas bewirkt. Dazu gehört manches, was wir vielleicht gar nicht mit Glauben in Verbindung bringen: Die Helligkeit und Lebensbejahung, der Lebensmut und die Sehnsucht, die in uns stecken.

Lebe das wenige, das du verstanden hast von Jesus! Säe das Samenkorn, das Dir gegeben ist! Schau nicht auf andere Leute und den Glauben, den die angeblich haben. Dein Glaube ist es, aus dem jeden Tag etwas Gutes wachsen kann. Ein ganz einfacher, schlichter Glaube ist es, ein immer wiederkehrender Anlauf des Vertrauens, der jedem Menschen möglich ist.

Pfarrer Sven Torjuul

Gebet um Gottes Nähe

Veni Sancte Spiritus, um 1200 nach Christus

Komm herab, o Heilger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn,
und der Freuden Ewigkeit.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.