Andacht

Gebetsläuten um 19:30 Uhr

Zünden Sie mit uns Lichter der Hoffnung an!

Liebe Leserinnen und Leser!

Kontakte meiden ist das Gebot der Stunde. Dabei haben sicher gerade jetzt viele Menschen ein Bedürfnis nach Verbundenheit, Austausch, Bestärkung und geistlichem Leben.

Und Gemeinschaft ist möglich! Ab sofort werden wir allabendlich um 19.30 Uhr zeitgleich mit unseren katholischen Glaubensgeschwistern die Glocken der Evangelischen Kirche läuten.

Sie sind eingeladen, um diese Zeit eine Kerze anzuzünden und wenn möglich in ihr Fenster zu stellen. Zum Klang der Glocken sprechen wir das hier veröffentlichte Gebet, an das sich das Vater Unser anschließt. Auch wenn jeder das für sich tut, wissen wir uns doch bei diesem gemeinsamen Beten mit vielen verbunden und von Gott gehalten.

Zeitpunkt und Ablauf bleiben immer gleich, die Gebete und geistlichen Impulse finden Sie hier an dieser Stelle. Sie werden mindestens wöchentlich wechseln.

Gerne nehmen wir dabei auf, was Sie bewegt. Wenn Sie ein bestimmtes Gebetsanliegen haben, lassen Sie uns das bitte wissen. Unsere Email-Adressen finden Sie auf dieser Webseite unter Gemeindeinfos/Ansprechpartner.

Ihr Evangelisches Pfarrteam

 

Gebet der Ruhe und des inneren Friedens

(Dieses Gebet soll anregen, selber ins Beten zu kommen.

Hilfreich ist es, nach jedem Abschnitt die Augen zu schließen,

kurze Stille zu halten, eventuell eigene Worte zu finden)

 

Herr, die Glocken läuten.

Wie soll ich zu dir beten?

Ich weiß oft so wenig, wie das geht.

Aber Du hörst, wie immer ein Mensch redet. //

In mir ist Unruhe –

Viele Sorgen, Gedanken, Bilder beschäftigen mich.

Ich möchte mich sammeln für einen Moment. //

Denn Du bist da.

Du trägst mein Leben, auch in diesen Zeiten.

Deine Liebe ist für mich da, Dir sei Dank! //

Hilf mir achtsam zu sein,

segne mich auf meinem Weg durch den Tag.

Hilf mir meine Aufgaben zu erledigen,

an Menschen zu denken, zu telefonieren, Kontakt zu halten. //

Schütze uns vor Gefahren und Krankheit.

Sei bei allen, die jetzt Angst haben, bei den Leidenden und Bedrückten.

Stärke die Menschen, die für andere arbeiten, um ihnen zu helfen. //

Schenke mir einen Moment der Kraft und Ruhe. (…)

(Hier eine kleine Stille halten, einigen Atemzügen nachspüren;

mit dem Ausatmen kann ich mich entspannen und loslassen.) //

Danke für das Vertrauen,

Danke, dass Du uns begleitest. Amen.

 

Mit Glaubenden zu aller Zeit und an jedem Ort verbindet uns das Gebet, das wir von Jesus haben. Es kann sich hier anschließen:  

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Wie lange noch?

Liebe Gemeinde,

wir wissen, dass es so kommen wird. Die Frage ist nicht „ob?“, sondern „wann?“. Wann wird es die ersten Kranken geben, die ich persönlich kenne? Wann wird es die ersten Menschen aus Frechen geben, die an dieser Krankheit sterben? Wann werden die Gesundheitssysteme auch bei uns überlastet sein? Es scheint so unwirklich, so weit weg zu sein. Einen geradezu friedlichen Eindruck machen manchmal die zur Ruhe gezwungenen Städte. Doch: Wie lange wird das noch gut gehen?

Ich möchte hier nicht in die Panik oder Hysterie einstimmen, die in den Läden Toilettenpapier, Dosensuppen und Nudeln knapp werden lässt. Doch es hat auch keinen Sinn, einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Wir können etwas tun, wir können helfen, aber eben nur in einem begrenzten Rahmen.

Wir können und sollen auch beten und Gott vertrauen, aber immer in dem Wissen, dass dies die Ausbreitung der Krankheit nicht einfach verhindern wird. Auch können wir nicht sicherstellen, dass wir selbst nicht erkranken. Wir werden keine schlüssige Antwort finden, welchen Sinn diese Krankheit hat. Aber wir dürfen erfahren, dass Gott in der Zeit der Krise und des Leids an unserer Seite steht.

Normalerweise strömen die Menschen in Zeiten der Krise vermehrt in die Kirchen, um dort Trost, Gemeinschaft oder Hilfe zu finden. Not lehrt beten, sagt man. Es schmerzt sehr, dass auch dieser Weg im Moment nicht möglich ist. Viele Menschen sind emsig bemüht, Wege und Möglichkeiten zu finden, um Gemeinschaft herzustellen, gemeinsam im Gebet zu bleiben, Nächstenliebe zu üben und denen zu helfen, die gerade jetzt auf Hilfe angewiesen sind. Wenn Sie einsam sind oder dunkle Gedanken Ihnen gerade das Leben schwer machen, zögern Sie nicht, greifen Sie zum Hörer und rufen Ihre Pfarrerin oder Ihren Pfarrer an. Wir hören Ihnen gerne zu und wollen Ihre Sorgen mit Ihnen teilen. Schön wäre es, wenn es uns auch gelingt, Sie ein wenig zu trösten oder Ihnen zu helfen.

„Wie lange noch?“ fragt der Beter im Psalm 119. Das könnte auch unsere Frage sein. Die Frage ist verständlich. Aber es gibt keine andere Antwort darauf, als die, die der Beter des Psalms am Ende selbst gibt:

HERR, lass mein Klagen vor dich kommen;
unterweise mich nach deinem Wort.
Lass mein Flehen vor dich kommen;
errette mich nach deinem Wort.
Meine Lippen sollen dich loben;
denn du lehrst mich deine Gebote.
Meine Zunge soll singen von deinem Wort;
denn alle deine Gebote sind gerecht.
Lass deine Hand mir beistehen;
denn ich habe erwählt deine Befehle.
HERR, mich verlangt nach deinem Heil,
und an deinem Gesetz habe ich Freude.
Lass meine Seele leben, dass sie dich lobe,
und dein Recht mir helfen.
Ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf;
suche deinen Knecht, denn ich vergesse deine Gebote nicht.

Gott schütze und segne Sie!
Bernd Stollewerk

Seid besonnen

Liebe Gemeinde,

Kontaktverbot, Kitas und Schulen geschlossen, Gottesdienste nur noch im Fernsehen und im Internet. Wir erleben eine ungekannte, durch die Umstände verordnete Ruhe.

Andererseits äußern Menschen gerade jetzt in hohem Maße ihre Beunruhigung. Sie sorgen sich um die eigene Gesundheit oder die von Angehörigen, ums Einkommen, um die Zukunft.

Und nicht nur Viren sind ansteckend – auch Sorgen breiten sich ganz von alleine aus. „Wer kann schon sicher sein in diesen Zeiten?“, schreibt mir eine Mitarbeiterin, die aus Köln nach Frechen pendelt. Wird der Weg morgen noch ohne Probleme möglich sein?

Wie umgehen mit solcher Unsicherheit? Tief im Gedächtnis meldet sich bei mir ein Satz aus dem 1. Petrusbrief: „Seid besonnen und nüchtern zum Gebet.“  (1.Petrus 4,7)

Dieser undramatische Blick ist wohltuend! Besonnenheit, ja, die ist jetzt gefragt.  Sie bringt Vernunft und Augenmaß.

Der Sinn der momentanen Einschränkungen ist klar: Es geht um Fürsorge, Solidarität, Lebensschutz und Solidarität – Werte, für die nicht zuletzt der christliche Glaube steht.

Seid besonnen! Es gilt die Situation ernst zu nehmen, ohne dabei gleich in Panik zu verfallen. Doch die christliche Stimme aus dem 1. Jahrhundert empfiehlt noch etwas: „Seid nüchtern zum Gebet“. Eine überraschende Kombination!

Nüchtern bedeutet hier, dass Beten keineswegs eine blinde Gefühlsduselei ist. Im Gegenteil: Das Gebet öffnet unser Herz und unser Denken für einen viel größeren Horizont. Wir sollen wach – nicht verträumt oder verpennt! – in die Welt schauen. Was wir da sehen, können wir vor Gott bringen. Das verbindet uns mit Gott und den anderen Menschen, für die wir beten; seien es die Erkrankten oder die in medizinischen Berufen Tätigen, oder ganz andere, die diese Krise hart trifft.

„Seid nüchtern zum Gebet“. Schließlich ist das auch eine Idee, wie trotz ausfallender Gottesdienste Gemeinschaft sein kann: Das Gebet ist gelebte Verbundenheit und viel tragfähiger als mancher denkt. Auf diesem Feld sind jetzt viele Gemeinden erfinderisch, stellen geistliche Angebote auf ihre Webseiten und nehmen die Welt ins Gebet, auch hier bei uns in Frechen.

Der Glaube, der die Kirche zur Bewegung Gottes macht, ist auch heute lebendig.

Davon überzeugt grüßt Sie herzlich

Pfarrerin Almuth Koch-Torjuul

 

Liebe Konfirmanden!

Am Sonntag Ende März sollte eigentlich der Gottesdienst mit Eurer Vorstellung stattfinden. Ein schöner Samstag mit Kennenlernen des Abendmahls und viel kreativem Programm war auch schon fertig vorbereitet. Aber jetzt ist es anders gekommen. Alles, aber auch alles fällt aus. Und es kommt noch dicker: Keiner weiß, wie lange! Das ist verrückt, das hatten wir noch nie.

Nebenbei: Das Thema Abendmahl passt gerade wie die Faust aufs Auge. Menschen, die sich gar nicht persönlich kennen, versammeln sich eng um einen Tisch. Essen vom Brot aus einer Schale? Trinken aus einem Kelch? Geben sich danach noch die Hände zum Segenswort? Halt! Das geht ja wohl gar nicht! Abstand halten ist angesagt. Mindestens zwei Meter.

Wenn ich länger darüber nachdenke, frage ich mich: So neu und besonders ist das vielleicht gar nicht? Abstand halten wir doch meistens. Oder? Wenn es nicht gerade die besten Freunde oder Familie sind, nehmen wir lieber Abstand. Vielleicht wäre das ja ein Ergebnis am Ende von Corona: Dass wir uns wieder freuen, alle näher zusammen zu kommen?

Jesus hat oft mit Menschen zusammen gesessen, gegessen und getrunken. Er wurde eingeladen und hat andere eingeladen. Abstand war ihm nicht so wichtig. Gemeinschaft war ihm wichtiger. Er wollte auch nicht, dass Einzelne aus der Gemeinschaft herausfallen. Um solche „outlaws“ hat er sich besonders gern gekümmert. Was andere wiederum nicht gut fanden.

Eine tolle Sache eigentlich: das Symbol von Jesus in jeder Kirche ist – abgesehen vom Kreuz – der Tisch! Vorne steht immer der Tisch. Der Ort, an dem Menschen sich näher kommen, wo Gemeinschaft entsteht. Aber wie entsteht überhaupt Gemeinschaft? Und was verbindet uns mit denen, zu denen wir auf Abstand gehen? Vielleicht das Gebot der Nächstenliebe?

Zur Zeit gibt es kein Abendmahl, denn Ihr wisst schon, das Wort mit A: Abstand. Kann man vielleicht ein wenig weiter stehen, aber doch zusammen? In der Kirche war ein großer Lichterkreis geplant: Alle Konfirmanden mit Kerzen um die Gemeinde herum. Mit etwas Abstand wären wir da rum gekommen. Ohne Brot, dafür mit Licht. Passend zum Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht.

Aktuell gibt es bei uns eine Aktion: Gebetsläuten um 19:30 Uhr. Alle können um die Zeit eine Kerze anzünden, ein gemeinsames Gebet sprechen, das man hier auf der Webseite findet (einfach hier hochscrollen, da wird erklärt, wie es geht). Im Grunde ist das auch so ein Kreis mit Lichtern, aber sehr weit. Mit sehr viel Abstand. Probiert das doch bitte selber mal aus und schaut, ob Ihr die Glocken dabei hört!

Im Moment ist Abstand nötig. Denn wir wollen alle Menschen vor schwerer Krankheit schützen. Irgendwann wird das glücklicherweise wieder vorbei sein. Bis dahin bleibt gesund und miteinander verbunden!

Euer Pfarrer Sven Torjuul