Andacht

Biblische Besinnung zum Sonntag Exaudi

Aus dem Jeremia, Kapitel 31:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.
33 Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Was auf Steintafeln und auf Papier geschrieben ist, das Gute und Vernünftige, ist noch lange nicht in die Herzen geschrieben. Dabei ist nach hebräischem Verständnis das Herz der Ort des Verstandes, nicht des Gefühls, wie bei uns. Es sind Gebote und Verbote, Vorschriften, Verhaltensregeln, die von außen her an uns gerichtet sind, es ist nicht unsere eigene Stimme. Eingetrichterte, verordnete Moral ist ein dünner Firnis; schnell kann er sich auflösen. Israel hat die Gebote nicht gehalten, hat sie übertreten, noch und noch. Und nicht nur Israel, sondern die Menschen alle mit ihren kleinen und großen Übertretungen und den kleinen und den großen, zerstörerischen Folgen dieser Übertretungen. Und auch die ganzen Verschwörungstheoretiker sind ein Ausdruck dessen, dass Menschen meinen, ihnen werde etwas Fremdes aufgezwungen.

Und weil das so ist, gibt es Religionen mit ihren Priestern, Theologen und Lehrern, die den Menschen beibringen sollen, was gut ist, ihnen Einsicht, Rücksicht, Moral beibringen. Und es gibt die Institutionen des Staates, der Gesetzgebung und Gerichte; sie müssen die Menschen mit Gesetzen und unter Androhung von Strafen zum Einhalten elementarer Spielregeln bringen. Aber Religionen, Kirchen, Staaten, Gesetze – es sind Notmaßnahmen, ohne die das Zusammenleben der Menschen im Kleinen und Großen nicht möglich wäre. Weil die Menschen den lebensfreundlichen Weisungen Gottes nicht nachleben, müssen sie wenigstens in äußere Ordnungen eingebunden werden. Das Fatale dabei ist, dass die Menschen auf diese Weise das, was für alle gut ist, erst recht als etwas Fremdes, etwas von oben und außen Verordnetes erfahren, als etwas, was die Freiheit einschränkt.

Gott segne Sie!
Ihr Bernd Stollewerk

 

Gebet

Gott,
jetzt haben wir schon Mai
und immer noch ist Corona-Zeit.
Mir fehlen meine Freunde, mein Chor, der Sport in der Gruppe,
Mir fehlen Besuche und spontane Umarmungen;
das Zusammensein in der Gemeinde.
Immer Home Office, dabei das Familienleben, das ist ganz schön anstrengend.
Und unter der Maske kriegt man kaum Luft.

Bin ich egoistisch, wenn ich darüber klage?
Vielleicht schon, aber ich weiß, ich darf Dir sagen, wie es mir geht.
Du nimmst mich an, mit meiner Ungeduld, mit meinem genervt Sein!
Danke, dass ich mich bei Dir nicht zusammenreißen muss!
Gott, ich weiß ja, das ist jetzt eine Durststrecke.
Es ist nur manchmal schwierig, das Ganze im Blick zu behalten.
Hilf mir, das Gute nicht als selbstverständlich zu betrachten!
Denn eigentlich gibt es eine Menge, wofür ich danken kann:

Wie gut, dass es wieder regnet!
Ich freue mich, morgens früh vom Rauschen des Regens aufzuwachen!
Landwirtschaft, Wälder und Gärten haben es so sehr ersehnt.
Hoffentlich bekommt auch der Osten genug!

Wie gut, dass die Infektionswelle abklingt und wieder Operationen stattfinden.
Viele Kranke warten inständig darauf.
Gib, dass sie nun bald Abhilfe für Schmerzen und Beschwerden bekommen.

Wie gut, dass Menschen in vielen Bereichen der Gesellschaft an einer
vorsichtigen Öffnung arbeiten, auch wir in der Kirche!
Die Freude wird groß sein über jedes gelingende Zusammenkommen!
Gib uns Mut, auszuprobieren, was geht und Geduld, zu akzeptieren, dass es Zeit braucht.

In unserer Fürbitte denken wir
an die alten Menschen, die ihre Angehörigen nicht sehen können;
an die Infizierten und ihre Helfer in Ländern ohne funktionierendes Gesundheitswesen;
an diejenigen, die wegen der Pandemie ohne Einkommen dastehen.

Alles, was uns am Herzen liegt, sagen wir Dir mit dem Gebet Jesu:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.